Der Termin im Standesamt steht, ein Freitag um elf Uhr, und plötzlich taucht eine sehr praktische Frage auf: Musst du für das Jawort einen Urlaubstag opfern? Beim Sonderurlaub Hochzeit hängt die Antwort davon ab, wo und wie du beschäftigt bist. Viele Angestellte bekommen einen bezahlten freien Tag, im öffentlichen Dienst gibt es dagegen oft keinen festen Anspruch. Wir sortieren die Rechtslage und zeigen, wie ihr beide aus wenigen Urlaubstagen lange Flitterwochen macht.
Sonderurlaub Hochzeit: Was das Gesetz wirklich sagt
Ein eigenes Gesetz für die Freistellung zur Trauung gibt es nicht. Die Grundlage für die meisten Arbeitnehmer ist ein kurzer Paragraf im Bürgerlichen Gesetzbuch: § 616 BGB regelt die vorübergehende Verhinderung. Wer für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit aus einem persönlichen Grund ohne eigenes Verschulden nicht arbeiten kann, verliert seinen Lohnanspruch nicht.
Das Wort Hochzeit taucht im Gesetzestext nicht auf. Rechtsprechung und arbeitsrechtliche Praxis zählen die eigene Eheschließung aber seit Langem zu den typischen Anlässen für eine bezahlte Freistellung. Der Gedanke dahinter: Den Termin beim Standesamt kannst du nicht beliebig in deine Freizeit legen, denn Standesämter trauen vor allem werktags.
Was „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ bedeutet
Der Paragraf nennt keine Zahl. Für die eigene Trauung hat sich in der Praxis ein Arbeitstag eingebürgert, nämlich der Tag der standesamtlichen Eheschließung. Einen Anspruch auf mehrere Tage für Vorbereitung, Polterabend oder Erholung leitest du aus § 616 BGB nicht ab. Dafür brauchst du regulären Urlaub, Überstunden oder eine großzügigere Regel im Vertrag.
Warum dein Arbeitsvertrag entscheidend ist
Der wichtigste Punkt wird oft übersehen: § 616 BGB ist abdingbar. Arbeitsverträge und Tarifverträge dürfen ihn einschränken oder ganz ausschließen. Steht in deinem Vertrag ein Satz wie „§ 616 BGB findet keine Anwendung“, gibt es keine gesetzliche Freistellung mehr, es sei denn, eine andere Regel greift.
Lies deshalb zuerst deinen Arbeitsvertrag, dann einen geltenden Tarifvertrag und zuletzt Betriebsvereinbarungen oder das Intranet. Viele Unternehmen regeln die Freistellung in einer Urlaubs- oder Abwesenheitsrichtlinie, die großzügiger sein kann als das Gesetz.
Wie viel Sonderurlaub Hochzeit steht dir zu?
Für die eigene standesamtliche Trauung ist in der Privatwirtschaft ein bezahlter Arbeitstag nach § 616 BGB üblich, sofern dein Vertrag ihn nicht ausschließt. Tarifverträge können mehr oder weniger vorsehen. Im öffentlichen Dienst und für Bundesbeamte gibt es dagegen keinen festen Anspruch auf eine bezahlte Freistellung.
- Angestellte ohne Tarifvertrag: in der Regel ein bezahlter Tag, wenn der Arbeitsvertrag § 616 BGB nicht ausschließt.
- Angestellte mit Tarifvertrag: Es gilt die Regel im Tarifvertrag, häufig ein Tag, manchmal zwei, manchmal keiner.
- Beschäftigte nach TVöD oder TV-L: kein fester Anspruch, eine Arbeitsbefreiung liegt im Ermessen des Arbeitgebers.
- Bundesbeamtinnen und Bundesbeamte: kein Sonderurlaub unter Fortzahlung der Besoldung für die eigene Trauung.
- Landesbeamtinnen und Landesbeamte: Maßgeblich ist die jeweilige Urlaubs- oder Sonderurlaubsverordnung des Landes.
- Auszubildende: Fortzahlung der Vergütung nach Berufsbildungsgesetz, vertraglich nicht ausschließbar.
Sonderurlaub Hochzeit im Überblick: Die folgende Tabelle fasst zusammen, wo du nachsehen solltest und womit du realistisch rechnen kannst.
| Beschäftigung | Rechtsgrundlage | Was du erwarten kannst |
|---|---|---|
| Privatwirtschaft | § 616 BGB, Arbeitsvertrag | meist 1 bezahlter Tag, sofern nicht ausgeschlossen |
| Tarifbeschäftigte | Manteltarifvertrag | je nach Branche 0 bis 2 Tage |
| TVöD, TV-L | § 29 TVöD bzw. TV-L | kein fester Anspruch, Ermessen |
| Bundesbeamte | Sonderurlaubsverordnung | kein bezahlter Sonderurlaub zur Trauung |
| Landesbeamte | Landesrecht | unterschiedlich, Verordnung prüfen |
| Auszubildende | § 19 BBiG | Vergütung läuft weiter |
| Selbstständige | keine | kein Anspruch, eigene Planung |
Tarifvertrag und öffentlicher Dienst: die wichtigsten Unterschiede
Gerade wer im öffentlichen Dienst arbeitet, erlebt beim Thema Freistellung oft eine Überraschung. Ältere Kolleginnen und Kollegen erinnern sich noch an einen freien Tag zur Hochzeit, die heutigen Regelwerke sehen ihn aber nicht mehr vor.
Tarifverträge in der Privatwirtschaft
Manteltarifverträge regeln die Arbeitsbefreiung meist in einem eigenen Paragrafen mit einer Liste von Anlässen. Steht die eigene Eheschließung darin, gilt genau die dort genannte Zahl an Tagen. Häufig ersetzt diese Liste § 616 BGB vollständig: Was dort nicht steht, gibt es dann auch nicht. Frag im Zweifel den Betriebsrat oder die Personalabteilung, welcher Tarifvertrag für dich gilt.
TVöD und TV-L
Für Tarifbeschäftigte von Bund, Kommunen und Ländern regelt § 29 die Arbeitsbefreiung. Der Katalog nennt etwa die Niederkunft der Partnerin, Todesfälle in der Familie oder einen dienstlich veranlassten Umzug, die eigene Eheschließung gehört nicht dazu. Der Arbeitgeber kann in sonstigen dringenden Fällen bis zu drei Arbeitstage gewähren, bezahlt oder unbezahlt. Darauf hast du aber keinen Anspruch.
Beamtinnen und Beamte
Für Bundesbeamte listet § 21 der Sonderurlaubsverordnung die Anlässe für Sonderurlaub mit Fortzahlung der Besoldung auf. Die eigene Trauung fehlt in dieser Liste. Möglich bleibt unbezahlter Sonderurlaub aus wichtigem Grund. Für Landesbeamte gelten eigene Verordnungen, die sich von Land zu Land unterscheiden. Ein Blick in die Verordnung deines Bundeslandes oder eine kurze Nachfrage bei der Dienststelle schafft Klarheit.
Sonderurlaub Hochzeit bei Teilzeit, Minijob und Selbstständigkeit
Auch Teilzeitkräfte und Minijobber sind Arbeitnehmer, für sie gilt § 616 BGB genauso. Entscheidend ist nur, ob am Tag der Trauung eine Arbeitspflicht besteht. Liegt die Trauung an einem Tag, an dem du laut Vertrag ohnehin nicht arbeitest, gibt es nichts freizustellen. Wer selbstständig oder freiberuflich arbeitet, hat keinen Anspruch und plant den Tag am besten frühzeitig mit Kunden und Aufträgen ein.
Für befristet Beschäftigte und Menschen in der Probezeit gelten dieselben Regeln. Wer einen bestehenden Anspruch geltend macht, darf dafür nicht benachteiligt werden, das verbietet das Maßregelungsverbot in § 612a BGB.

Sonderurlaub Hochzeit beantragen: So gehst du vor
Selbst wenn du einen klaren Anspruch hast, solltest du die Freistellung nicht einfach voraussetzen. Ein sauber gestellter Antrag vermeidet Missverständnisse und zeigt deinem Arbeitgeber, dass du mitdenkst.
- Sonderurlaub Hochzeit früh anmelden: Sag Bescheid, sobald das Standesamt den Termin bestätigt hat. Das ist oft schon Monate vorher der Fall.
- Schriftlich beantragen: Eine kurze E-Mail oder ein Formular im Personalsystem genügt. Nenne Datum, Anlass und Rechtsgrundlage.
- Nachweis bereithalten: Die Anmeldebestätigung des Standesamts oder später die Eheurkunde belegt den Anlass.
- Mit dem Urlaubsantrag kombinieren: Beantrage die Flitterwochen gleich mit, dann plant das Team nur einmal um.
Welche Dokumente ihr für die Anmeldung der Eheschließung braucht und wann ihr sie einreichen könnt, haben wir im Beitrag zu den Unterlagen fürs Standesamt zusammengestellt.
Standesamt, Kirche, freie Trauung: Welcher Tag zählt?
Maßgeblich für die Freistellung ist die standesamtliche Trauung, denn nur sie begründet die Ehe rechtlich. Feiert ihr die kirchliche Trauung an einem anderen Tag, brauchst du dafür meist einen regulären Urlaubstag. Eine freie Trauung hat keine rechtliche Wirkung und löst deshalb ebenfalls keine Freistellung aus. Wer beides am selben Tag feiert, spart sich diese Frage.
Wenn die Hochzeit auf ein Wochenende fällt
Die Freistellung soll verhindern, dass du für die Trauung Arbeitszeit verlierst. Heiratet ihr an einem Samstag, an dem du ohnehin frei hast, gibt es keinen Ersatztag. Gleiches gilt in Teilzeit, wenn der Hochzeitstag kein Arbeitstag ist. Arbeitest du laut Dienstplan am Wochenende, greift die Freistellung für genau diesen Dienst.
Urlaub für die Flitterwochen clever planen
Ein einzelner Tag Sonderurlaub reicht für das Jawort, nicht für die Hochzeitsreise. Für die Flitterwochen setzt du deinen regulären Jahresurlaub ein. Das Bundesurlaubsgesetz garantiert bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 20 Urlaubstage, viele Verträge liegen deutlich darüber.
Was dein Arbeitgeber berücksichtigen muss
Nach § 7 Bundesurlaubsgesetz muss der Arbeitgeber deine Urlaubswünsche berücksichtigen, solange keine dringenden betrieblichen Belange oder vorrangige Wünsche von Kollegen entgegenstehen, etwa von Eltern schulpflichtiger Kinder in den Ferien. Eine Hochzeitsreise ist ein gutes Argument, aber kein Freifahrtschein. Wer früh beantragt, hat die besten Karten, besonders in Branchen mit Urlaubssperren.
Brückentage 2027 geschickt nutzen
Mit Feiertagen und Sonderurlaub holst du aus wenigen Urlaubstagen viel heraus. Ein Beispiel für 2027: Christi Himmelfahrt fällt auf Donnerstag, den 6. Mai, Pfingstmontag auf den 17. Mai. Heiratet ihr am Freitag, dem 7. Mai, standesamtlich, deckt der Sonderurlaub den Brückentag ab. Mit neun Urlaubstagen in den beiden folgenden Wochen seid ihr vom 6. bis zum 23. Mai durchgehend frei, also 18 Tage am Stück.
Welche Termine 2027 sonst günstig liegen und worauf ihr bei Saison und Wochentag achten solltet, zeigt unser Ratgeber zum passenden Hochzeitsdatum. Wollt ihr direkt nach der Feier nur kurz durchatmen und die große Reise später machen, ist ein Minimoon eine entspannte Alternative.
Überstunden, unbezahlter Urlaub und Zeitkonten
Reicht der Jahresurlaub nicht, gibt es weitere Stellschrauben. Viele Arbeitgeber erlauben, Überstunden oder Gleitzeitguthaben abzubauen. Unbezahlter Urlaub ist ebenfalls verhandelbar, ein Anspruch darauf besteht aber nicht. Prüft bei längerer unbezahlter Freistellung, wie es mit der Krankenversicherung aussieht, denn nach einem Monat endet die Mitgliedschaft als Beschäftigter in der Regel.
Wer erst im Herbst oder Winter reist, hat oft weniger Konkurrenz um die Urlaubswochen im Team. Ideen für Reiseziele mit mildem Klima außerhalb der Hauptsaison findest du in unserem Beitrag zu Flitterwochen im Herbst.

Häufige Fehler beim Sonderurlaub Hochzeit
Die meisten Konflikte rund um die Freistellung entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch falsche Annahmen. Diese Punkte solltest du vermeiden:
- Annehmen statt nachlesen: Nur weil Kollegen frei bekamen, gilt das nicht automatisch für dich. Verträge und Tarifwerke ändern sich.
- Zu spät fragen: Wer zwei Wochen vor der Trauung Bescheid gibt, bringt das Team in Not, selbst bei klarem Anspruch.
- Polterabend einplanen: Für Vorbereitung, Junggesellenabschied oder Polterabend gibt es keinen Sonderurlaub.
- Zwei Trauungen, zwei Tage: Für die kirchliche oder freie Zeremonie an einem anderen Tag brauchst du in der Regel Urlaub.
- Namenswechsel vergessen: Wer nach der Hochzeit den Namen ändert, sollte Personalabteilung und Gehaltsabrechnung zeitnah informieren.
Was beim Namenswechsel sonst noch ansteht, etwa beim Reisepass für die Hochzeitsreise, erklärt unser Beitrag zur Namensänderung nach der Hochzeit.
Fazit: Sonderurlaub Hochzeit als Startschuss für die Reise
Die bezahlte Freistellung zur Trauung ist kein großes Geschenk, aber ein wichtiges: Sie sorgt dafür, dass du das Jawort nicht mit einem Urlaubstag bezahlst. Ob du sie bekommst, entscheiden Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Beamtenrecht. Prüft beide eure Regelungen früh, beantragt die Freistellung schriftlich und verbindet sie mit Feiertagen und Urlaub. So wird aus einem einzelnen Tag der Auftakt zu entspannten Flitterwochen.
Gut zu wissen: Für Auszubildende sichert § 19 Berufsbildungsgesetz die Vergütung bei unverschuldeter persönlicher Verhinderung ab, und diese Regel lässt sich nicht zu ihrem Nachteil abbedingen.
Häufige Fragen zum Sonderurlaub Hochzeit
Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es zur Hochzeit?
In der Privatwirtschaft ist ein bezahlter Arbeitstag für die standesamtliche Trauung üblich, gestützt auf § 616 BGB. Manche Tarifverträge sehen zwei Tage vor, andere schließen den Anspruch aus. Im öffentlichen Dienst nach TVöD oder TV-L und für Bundesbeamte gibt es keinen festen Anspruch, eine Freistellung liegt dort im Ermessen des Dienstherrn.
Wann muss ich den Sonderurlaub zur Hochzeit beantragen?
Eine gesetzliche Frist gibt es nicht. Sinnvoll ist, den Termin zu melden, sobald das Standesamt ihn bestätigt hat, idealerweise mehrere Monate vorher und schriftlich. So kann dein Arbeitgeber planen, und du kannst die Freistellung direkt mit dem Urlaubsantrag für die Flitterwochen verbinden. Halte die Anmeldebestätigung als Nachweis bereit.
Gibt es Sonderurlaub für die kirchliche Trauung?
In der Regel nicht zusätzlich. Maßgeblich für die Freistellung ist die standesamtliche Eheschließung, weil sie die Ehe rechtlich begründet. Findet die kirchliche Trauung an einem anderen Tag statt, brauchst du dafür meist einen regulären Urlaubstag. Einzelne Tarif- oder Arbeitsverträge regeln das großzügiger, ein Blick hinein lohnt sich deshalb.
Was passiert, wenn die Hochzeit auf einen Samstag fällt?
Wenn du samstags ohnehin nicht arbeitest, entsteht kein Anspruch auf einen Ersatztag. Die Freistellung soll nur verhindern, dass du für die Trauung Arbeitszeit verlierst. Arbeitest du laut Dienstplan am Samstag, gilt die Freistellung für diesen Tag. Gleiches gilt bei Teilzeit: Entscheidend ist, ob am Hochzeitstag eine Arbeitspflicht besteht.
Welche Rechte haben Auszubildende bei der eigenen Hochzeit?
Auszubildende stehen besser da als viele Angestellte. Nach § 19 Berufsbildungsgesetz behalten sie ihre Vergütung, wenn sie aus einem persönlichen Grund unverschuldet verhindert sind, und dazu zählt die eigene Trauung. Anders als bei § 616 BGB kann der Ausbildungsvertrag diesen Anspruch nicht zu ihren Ungunsten ausschließen. Meldet den Termin trotzdem früh an.
Über die Autorin / den Autor
Jonas leitet das Ressort Flitterwochen. Er stellt Reiseziele für jede Jahreszeit vor, plant Routen für Roadtrips und weiß, welche Unterlagen nach der Hochzeit für die Reise wichtig sind.