Die Krankenkasse will einen Nachweis für die Familienversicherung, die Bank fragt nach dem neuen Namen, das Pfarramt braucht ein Dokument für die kirchliche Trauung. Spätestens dann merkst du, dass ein einziges Exemplar der Urkunde selten reicht. Wer früh weiß, wie man eine Eheurkunde beantragen kann, spart sich Wartezeit und doppelte Wege. Hier erfährst du, welches Standesamt zuständig ist, was die Urkunde kostet, wie der Online-Antrag funktioniert und wann du eine mehrsprachige Fassung brauchst.
Eheurkunde, Heiratsurkunde, Registerausdruck: Was ist was?
Die Eheurkunde ist die amtliche Bescheinigung, dass ihr verheiratet seid. Sie enthält eure Namen vor und nach der Eheschließung, Geburtsdaten und -orte sowie Datum und Ort der Trauung. Ausgestellt wird sie aus dem Eheregister, das das Standesamt am Ort der Eheschließung führt.
Den Begriff Heiratsurkunde hörst du noch oft, gemeint ist dasselbe Dokument. Mit der Reform des Personenstandsrechts 2009 haben Eheregister und Eheurkunde das frühere Heiratsbuch und die Heiratsurkunde abgelöst. Ältere Urkunden aus der Zeit davor bleiben gültig.
Die vier Varianten im Überblick
| Dokument | Inhalt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Eheurkunde | Kernangaben zur Ehe und zu beiden Ehegatten | Behörden, Arbeitgeber, Versicherungen, Banken |
| Beglaubigter Ausdruck aus dem Eheregister | Alle Angaben des Eintrags, auch spätere Änderungen wie Namensänderung oder Scheidung | Erbfälle, Gerichte, Familienforschung, Verfahren mit Auslandsbezug |
| Internationale (mehrsprachige) Eheurkunde | Angaben in mehreren Sprachen nach einem internationalen Übereinkommen | Behörden in Vertragsstaaten des Übereinkommens |
| Mehrsprachiges EU-Formular | Übersetzungshilfe, die der deutschen Urkunde beigelegt wird | Behörden in anderen EU-Staaten |
Welche Variante du brauchst, sagt dir die Stelle, die das Dokument anfordert. Frag im Zweifel konkret nach, denn ein Registerausdruck enthält mehr Angaben, als manche Stellen wissen müssen.
Wo kann man eine Eheurkunde beantragen?
Eine Eheurkunde beantragen kannst du nur beim Standesamt des Ortes, an dem ihr geheiratet habt, denn nur dort liegt euer Eintrag im Eheregister. Ihr wohnt inzwischen woanders? Dann stellt ihr den Antrag trotzdem beim Standesamt der Trauung, schriftlich, online oder vor Ort.
- Zuständiges Standesamt ermitteln: Maßgeblich ist der Ort der Eheschließung, nicht euer Wohnort.
- Antragsweg wählen: online über das Serviceportal der Stadt, per Post, per E-Mail mit Ausweiskopie oder persönlich.
- Angaben bereithalten: Namen beider Ehegatten, Datum und Ort der Trauung, idealerweise die Registernummer.
- Art und Anzahl festlegen: Eheurkunde, Registerausdruck oder mehrsprachige Fassung, jeweils mit gewünschter Stückzahl.
- Gebühr bezahlen: je nach Weg per Karte, Überweisung oder bar am Schalter.
- Zustellung abwarten: Die Urkunde kommt per Post oder liegt zur Abholung bereit.
Geheiratet in einem anderen Standesamt als dem Wohnort?
Das ist häufig, etwa nach einer Trauung am Urlaubsort oder in der Heimatstadt der Eltern. Angemeldet habt ihr die Ehe dann zwar bei eurem Wohnsitzstandesamt, das Eheregister führt aber das Standesamt am Trauort. Dorthin richtet ihr auch spätere Anträge.
Am einfachsten: direkt bei der Trauung bestellen
Am wenigsten Aufwand habt ihr, wenn ihr die Urkunden schon bei der Anmeldung oder im Vorgespräch zur Trauung bestellt. Viele Standesämter fragen ohnehin, wie viele Exemplare ihr braucht, und händigen sie direkt nach der Zeremonie aus. Überlegt vorher gemeinsam, welche Stellen in den ersten Wochen einen Nachweis verlangen werden, und rechnet ein Reserveexemplar dazu. Wer später doch eine weitere Eheurkunde beantragen muss, geht den oben beschriebenen Weg.
Eheurkunde beantragen: Wer darf das?
Personenstandsurkunden sind keine öffentlichen Dokumente, die jeder anfordern kann. Nach § 62 Personenstandsgesetz bekommen sie nur bestimmte Personen, die zudem älter als 16 Jahre sein müssen:
- die Ehegatten selbst, also ihr beide,
- Vorfahren und Abkömmlinge, etwa Eltern, Großeltern, Kinder oder Enkel,
- andere Personen, wenn sie ein rechtliches Interesse glaubhaft machen, zum Beispiel im Erbfall mit Schreiben des Nachlassgerichts.
Soll jemand anderes für euch die Eheurkunde beantragen, etwa ein Trauzeuge, braucht er eine schriftliche Vollmacht und eine Kopie eures Ausweises. Verwandte in gerader Linie müssen die Verwandtschaft gegebenenfalls belegen, etwa mit einer Geburtsurkunde.

Eheurkunde beantragen: Kosten und Bearbeitungszeit
Die Gebühren legen die Bundesländer fest. Als Beispiel nennt das Serviceportal des Landes Berlin diese Preise:
| Leistung in Berlin | Gebühr |
|---|---|
| Eheurkunde (deutsch) | 12 Euro |
| Mehrsprachige oder internationale Eheurkunde | 12 Euro |
| Beglaubigter Ausdruck aus dem Eheregister | 12 Euro |
| Jede weitere Urkunde derselben Art bei gleichzeitiger Ausstellung | 6 Euro |
| Eheurkunde für Zwecke der Sozialversicherung | kostenlos |
Auch das BayernPortal nennt für Eheurkunde, Registerausdruck, mehrsprachige Eheurkunde und mehrsprachiges Formular jeweils 12 Euro. In anderen Bundesländern können die Beträge abweichen, prüfe deshalb die Angaben deines Standesamts.
Wie lange dauert es?
Eine feste Frist gibt es nicht. Vor Ort erhältst du die Urkunde oft sofort oder nach kurzer Wartezeit. Bei schriftlichen oder Online-Anträgen rechnest du als Erfahrungswert mit einigen Tagen bis wenigen Wochen inklusive Postweg. In der Hochzeitssaison und bei Anträgen aus dem Ausland kann es länger dauern.
Spartipp: gleich mehrere Exemplare
Weil weitere Urkunden bei gleichzeitiger Ausstellung oft günstiger sind, lohnt es sich, direkt bei der Trauung mehrere Exemplare zu bestellen. Drei bis fünf Stück reichen den meisten Paaren für Arbeitgeber, Krankenkasse, Bank, Pfarramt und Ausweisbehörde. Was die Trauung selbst kostet, erfährst du in unserem Beitrag zu den Gebühren im Standesamt.
Eheurkunde online beantragen
Viele Städte und Länder bieten inzwischen digitale Anträge an. In Berlin funktioniert der Online-Antrag allerdings nur, wenn du das zuständige Standesamt angeben kannst. Bezahlt wird per Kreditkarte oder nach Gebührenbescheid per Überweisung, die Urkunde kommt anschließend per Post.
So gehst du beim Online-Antrag vor:
- Serviceportal finden: Such auf der Website der Stadt, in der ihr geheiratet habt, nach „Eheurkunde“.
- Identität nachweisen: Je nach Portal per Online-Ausweisfunktion, BundID oder Ausweiskopie.
- Daten eintragen: Namen, Datum der Trauung und, falls vorhanden, die Registernummer von einer älteren Urkunde.
- Zahlung abschließen: Halte Kreditkarte oder Bankdaten bereit.
Eine Urkunde als reine PDF-Datei mit Beweiskraft gibt es in der Regel nicht. Was du online bestellst, bekommst du als Papierdokument mit Siegel und Unterschrift.
Internationale und mehrsprachige Eheurkunde
Ziehst du ins Ausland, beantragst du dort eine Aufenthaltserlaubnis oder will ein ausländischer Arbeitgeber den Familienstand sehen, brauchst du oft eine Urkunde, die auch dort verständlich ist. Dafür gibt es zwei Wege.
Internationale Eheurkunde nach CIEC-Übereinkommen
Die internationale Eheurkunde beruht auf dem Übereinkommen vom 8. September 1976 über die Ausstellung mehrsprachiger Auszüge aus Personenstandsbüchern. Behörden der Staaten, die dieses Übereinkommen unterzeichnet haben, erkennen sie ohne weitere Übersetzung an. Frag bei der ausländischen Stelle nach, ob ihr Land dazugehört.
Mehrsprachiges Formular für die EU
Seit dem 16. Februar 2019 gilt die EU-Verordnung 2016/1191. Danach erkennen Behörden anderer Mitgliedstaaten deutsche Personenstandsurkunden ohne Apostille an. Zusätzlich kannst du ein mehrsprachiges Formular als Übersetzungshilfe beantragen. Es ist keine eigenständige Urkunde, sondern wird der deutschen Eheurkunde beigelegt und erspart in der Regel eine beglaubigte Übersetzung.
Außerhalb der EU: Apostille oder Legalisation
Für Staaten außerhalb der EU braucht die Urkunde je nach Land eine Apostille oder eine Legalisation durch die Auslandsvertretung. Welche Behörde in deinem Bundesland die Apostille ausstellt, erfährst du beim Standesamt. Plane dafür zusätzliche Zeit ein.

Wofür ihr die Eheurkunde nach der Hochzeit braucht
Die erste Urkunde bekommen viele Paare direkt nach der Zeremonie. Wie das Ja-Wort selbst abläuft, zeigt unser Beitrag zum Ablauf der standesamtlichen Trauung. In den Wochen danach fragen typischerweise diese Stellen nach einem Nachweis:
- Bürgeramt: für neue Ausweisdokumente, wenn sich ein Name ändert. Was dabei für Reisepass und Flitterwochen gilt, liest du in unserem Artikel zur Namensänderung nach der Hochzeit.
- Pfarramt: für die kirchliche Trauung, die in Deutschland in der Regel nach der Ziviltrauung stattfindet. Mehr dazu in unserem Beitrag zur kirchlichen Trauung.
- Krankenkasse: etwa für die Familienversicherung.
- Arbeitgeber, Bank, Versicherungen: für Namensänderung, Begünstigungen oder neue Verträge.
- Ausländische Behörden: bei Umzug, Visum oder Einbürgerung.
Viele Stellen akzeptieren eine Kopie. Gib Originale nur heraus, wenn sie ausdrücklich verlangt werden, und bewahre ein Exemplar zusammen mit euren Unterlagen fürs Standesamt auf.
Geheiratet im Ausland
Habt ihr im Ausland geheiratet, gibt es zunächst keinen deutschen Registereintrag. Deutsche Staatsangehörige können die Ehe auf Antrag in Deutschland nachbeurkunden lassen. Danach könnt ihr auch hier eine deutsche Eheurkunde beantragen. Ohne Wohnsitz in Deutschland ist meist das Standesamt I in Berlin zuständig.
Wie lange wird das Eheregister aufbewahrt?
Nach § 5 Personenstandsgesetz führt das Standesamt das Eheregister 80 Jahre lang fort. Danach gehen die Einträge in der Regel an das zuständige Archiv. Für sehr alte Ehen, etwa bei der Familienforschung, ist dann das Stadt- oder Kreisarchiv der richtige Ansprechpartner.
Eheurkunde beantragen: Fehler, die Zeit kosten
Die meisten Verzögerungen entstehen nicht im Standesamt, sondern durch unvollständige Anträge. Mit diesen Punkten im Hinterkopf läuft es glatter:
- Falsches Standesamt angeschrieben: Der Antrag beim Wohnortstandesamt wird weitergeleitet oder zurückgeschickt. Das kostet schnell ein bis zwei Wochen.
- Falsche Urkundenart bestellt: Wer für einen Erbfall eine einfache Eheurkunde schickt, obwohl ein Registerausdruck verlangt ist, muss neu beantragen.
- Zu wenige Exemplare: Jede Nachbestellung bedeutet einen neuen Antrag und oft die volle Gebühr statt des günstigeren Preises für weitere Exemplare.
- Daten nicht zur Hand: Ohne genaues Datum der Trauung muss das Standesamt suchen, was dauern kann.
- Auslandsbedarf zu spät erkannt: Apostille oder Legalisation brauchen zusätzliche Wochen. Plane sie vor einem Umzug rechtzeitig ein.
Was ist mit dem Stammbuch?
Das Stammbuch der Familie ist eine Sammelmappe für eure Urkunden, aber selbst kein amtliches Dokument. Viele Standesämter bieten es bei der Trauung an, Pflicht ist es nicht. Beweiskraft haben allein die Urkunden darin. Ihr könnt also jederzeit ein einzelnes Exemplar herausnehmen, ohne dass das Stammbuch an Wert verliert.
Eheurkunde nach Scheidung oder Tod
Eine Scheidung oder der Tod eines Ehegatten wird im Eheregister nachgetragen. Die einfache Eheurkunde zeigt solche späteren Änderungen nicht immer vollständig. Wenn du die Auflösung der Ehe nachweisen musst, etwa für eine neue Eheschließung, ist deshalb meist der beglaubigte Registerausdruck das richtige Dokument. Frag im Zweifel bei der anfordernden Stelle nach.
Häufige Fragen zum Thema Eheurkunde beantragen
Wo kann ich meine Eheurkunde beantragen?
Zuständig ist immer das Standesamt am Ort der Eheschließung, weil nur dort der Eintrag im Eheregister geführt wird. Euer heutiger Wohnort spielt keine Rolle. Den Antrag könnt ihr in vielen Städten online, per Post oder persönlich stellen. Bei einer Ehe im Ausland ist zuerst eine Nachbeurkundung in Deutschland nötig.
Was kostet eine Eheurkunde?
Die Gebühren legen die Bundesländer fest. In Berlin und Bayern kostet eine Eheurkunde derzeit 12 Euro, in Berlin jede weitere gleichzeitig ausgestellte Urkunde derselben Art 6 Euro. Für Zwecke der Sozialversicherung ist sie dort kostenlos. In anderen Ländern können die Beträge abweichen, die genauen Preise nennt euer Standesamt.
Wie lange dauert es, eine Eheurkunde zu bekommen?
Wer persönlich beim Standesamt erscheint, bekommt die Urkunde oft sofort. Bei Anträgen per Post oder online solltet ihr als Erfahrungswert einige Tage bis wenige Wochen einplanen, inklusive Versand. In der Hochzeitssaison, bei Anträgen aus dem Ausland oder bei Rückfragen des Standesamts kann es auch länger dauern.
Wer darf eine Eheurkunde beantragen?
Antragsberechtigt sind die Ehegatten selbst sowie Vorfahren und Abkömmlinge, also etwa Eltern oder Kinder, jeweils ab 16 Jahren. Andere Personen brauchen ein glaubhaft gemachtes rechtliches Interesse, zum Beispiel im Erbfall. Mit schriftlicher Vollmacht und Ausweiskopie kann auch eine dritte Person den Antrag für euch stellen.
Welche Eheurkunde brauche ich für das Ausland?
Für Behörden in anderen EU-Staaten reicht meist die deutsche Eheurkunde mit dem mehrsprachigen EU-Formular als Übersetzungshilfe, eine Apostille ist dort nicht nötig. Für Staaten des CIEC-Übereinkommens gibt es die internationale Eheurkunde. Für andere Länder kann eine Apostille oder Legalisation erforderlich sein.
Über die Autorin / den Autor
Miriam schreibt über Trauungen in allen Formen: Standesamt, Kirche und freie Zeremonie. Sie erklärt Abläufe und Formalitäten verständlich und hilft Paaren, eigene Worte für ihr Eheversprechen zu finden.